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Montag, 23. März 2015

Besuch auf dem "Nascht"-Markt

Sooo, ihr Lieben. Meine letzte Woche war leider ein ganzes Stück stressiger als eingeplant, weswegen auf dem Blog hier auch nicht viel los war. Deshalb habe ich mir als Highlight der Woche den groß beworbenen Naschmarkt am Sonntag in der Markthalle Neun auserkoren. Leider war ich wirklich enttäuscht. War jemand von euch zufällig auch da? Vielleicht habe ich den Markt ja einfach auf dem falschen Fuß erwischt, über positive Erfahrungen wäre ich also dankbar. Und meine Erwartungen waren wahrscheinlich ebenfalls nicht gerade förderlich. Was also nun folgt, ist meine rein subjektive Beobachtung. Aber von vorne.

Der Markt fand, wie gesagt, in der Markthalle Neun statt, noch ein Stück weiter hinterm Kottbusser Tor. Für so viele Menschen war dieser Ort eindeutig nicht geschaffen; Ein Weihnachtsmarkt am vierten Advent nachmittags um 5 ist dagegen leer. Das hat natürlich der Atmosphäre erheblich geschadet :( Nicht, dass ich was gegen große Menschenmengen habe (was ich schon irgendwie habe, aber auf einem Weihnachtsmarkt stören sie zB. nicht), aber das Gedrängel und Geschubse war wirklich nicht schön. Deswegen konnte man von den extrem eng gestellten Ständen erst einmal kaum etwas sehen. Einige waren, als wir kamen, bereits zu (oder hatten gar nicht erst geöffnet...?).
Für mich als Schokomensch besonders schade: es gab kaum Schokolade! Dafür relativ viel Rübli-Kuchen, hatte ich den Eindruck ;) Ist ja bald Ostern!
Aber insgesamt gab es wirklich weniger zu naschen und weniger Infos zu dem, was man da nascht, als ich erwartet habe. Schade! Das war wahrscheinlich eben den Massen geschuldet und dass man halt ein wenig "abgefertigt" wurde, für große Erklärungen blieb wortwörtlich kein Raum... Außerdem war schon sehr viel weggefuttert worden, ehe wir da waren, obwohl nach unserem Besuch immer noch zwei Stunden Öffnungszeit ausstanden. Dennoch habe ich ein, zwei kleine Schätze entdeckt, über die ich natürlich kurz etwas sagen möchte.
Atelier Cacao hatte einen Stand gemietet, an dem man Schoko und Brownies (lecker! In hell und in dunkel) und Macarons kaufen konnte, genauso wie Wohlfarth Schokoladen, bei denen ich ja vor Kurzem zu Besuch war. Belyzium war dagegen noch nicht vertreten. Dafür habe ich eine weitere, neue Schokoladenmanufaktur gefunden. Sie heißt Theobroma (aus dem Griechischen das Fachwort für Kakao, von "Speise der Götter") und ihr einziger "Laden" ist zumindest bis September 2015 noch nur in der Markthalle Neun. Dafür allerdings nicht nur auf den Naschmärkten, sondern jeden Freitag und Samstag 10-18 Uhr. Dort habe ich mir auch gleich zwei Schokoladen geholt, THEO und BROMA beide bean-to-bar, eine mit 88% Kakao aus Bali und eine andere mit 77% Kakao und ganzen, geschälten Kakaobohnen aus Belize. Die werden mein nächster Test werden :)


THEO und BROMA

Man konnte dort die Nibs kaufen, aus denen sie ihre Schokolade herstellen, die Bohnen in geröstet und ungeröstet (wenn ich das richtig gesehen habe; gar nicht schlecht für alle, die sich mal selbst an Schokolade probieren wollen!), außerdem gab es an genau diesem Stand etwas ganz Besonderes zu trinken. Einen Smoothie aus gemahlenen Kakaonibs, aufgeschlagener Milch (ich weiß wirklich nicht mehr, ob es nicht Sojamilch oder sowas war) und irgendetwas zum Süßen wie Agavendicksaft (korrigiert mich bitte, falls jemand genaueres weiß ;) ). Das Ganze schmeckte dann nicht nach Kakao, sondern eher nach einem fruchtigen Shake. Sehr, sehr lecker und eine echte Alternative nicht nur für hartgesottene Kakaoliebhaber!
Ansonsten gab es auf dem Markt noch selbstgemachte Marmeladen, Mini-Guglhupfe, Kaffee, aber ich habe mehr als einmal Leute sagen hören, dass sie für nen Kaffee lieber draußen gemütlich sitzen wollen. Aber so eine Veranstaltung wächst ja auch mit ihren Aufgaben und ich hoffe wirklich, dass sich der Markt mit den Jahren in dieser Hinsicht bessert :)

Wie sind eure Erfahrungen mit dem Naschmarkt?

Montag, 16. März 2015

Belyzium tabu

83%

Ich möchte gar nicht erst Zeit verlieren, daher gleich heute der Test der speziellen "tabu"-Schokolade von Belyzium, genau nach der Bedienungsanleitung, wie sie zu handhaben sei: Man lagere sie im Kühlschrank. Nehme sie heraus. Lasse sie etwa 5 Minuten auftauen. Dann genießen :)
Wie ich erwähnt habe, ist das eine Schokolade, die einen anderen Schmelzgrad hat als normale Schokoladen. Es gibt sie als Tafeln oder als Sticks, ich habe mir Sticks geholt, da ich ja eh teste :)

Das Äußere

Ein kleiner Größenvergleich :)
Die Verpackung ist schlicht und super-unscheinbar, Butterbrotpapier, vorne ein Aufkleber mit der Prozentzahl, hinten ein Klebepunkt, der die Packung schließt, an beiden Enden eingedreht wie ein Bonbon früher. Dazu lässt sich wirklich nicht viel sagen. Interessanterweise lässt diese Verpackung die Schokolade nach etwas Besonderem aussehen, so wie ja häufig in irgendeiner Art besondere Artikel sehr schlicht aussehen. Frisch aus dem Kühlschrank bricht die Schokolade knackig, aber schwer (die Sticks sind allerdings auch dicker als die Tafeln). Sie duftet fruchtig-kakaoig.

Die inneren Werte

Nach etwa fünf Minuten traue ich mich an das Probierstückchen, nicht, dass ich das perfekte Aroma verpasse ;) Nein, das ist nur ein Witz, ich hoffe mal, dass man nicht immer einen Wecker stellen muss, ehe man mal ein Stück Schoko essen darf, das wäre ja selten umständlich ;)
Sobald die Schokolade die Zunge berührt, fängt sie schon an zu schmelzen. Ein wenig, wirklich, wie Eissschokolade, für die, die sie kennen und mögen. Sie ist ausgesprochen bitter (wobei ich mich habe belehren lassen und sie deswegen lieber "ausgesprochen kakaointensiv" nenne, weil "bitter" zwar eine Schokoladenbitterkeit bedeutet und wenn der Kakaogeschmack dominiert, ist das eine angenehme Bitterkeit, anders als zB. roher Industriekakao) und verschwindet, ehe man sich´s recht versieht. Zurück bleibt eine fruchtige Kakaonote.
Der Schmelz ist somit eindeutig außergewöhnlich, super-cremig, gleichzeitig ein winziges bisschen körnig. Der Geschmack ist ebenfalls herausragend, schön fruchtig, herb, nicht zu süß. Schmeckt in jedem Fall nach mehr, mehr, mehr!

Fazit

Diese Schokolade ist in jeder Hinsicht besonders. Wo vielen kleinen, jungen Manufakturen zwar gute Schokoladen mit Aromen gelingen, wie Lebkuchen, Nüsse, Chili, schafft es diese Schokolade, einen ausgesprochen markanten, ausgewogenen, guten Geschmack zu schaffen. Noch dazu in einer Konsistenz, wie ich sie bisher noch selten geseh
en habe. Außerdem ist die Schokolade absolut bean-to-bar, frisch hergestellt in der Berliner Manufaktur, nie länger als einige Tage gelagert. Daher erhält diese Schokolade eine Benotung, wie es sie noch nicht gab, denn die Konsistenz ist einfach zu herausstechend aus der Masse an Schokoladen, als dass sie unerwähnt gelassen werden dürfte.
Pro: Eigentlich so ziemlich alles: einer der ausgewogensten Schokoladen vom Geschmack her bisher; sehr lobenswerte Herstellung; unglaublicher, besonderer Schmelz.
Contra: Verpackung zu schlicht; muss im Kühlschrank gelagert und vor Verzehr 5 Minuten "aufgetaut" werden.

Ergebnis: ***** + / *****. Fünf von 5 Sternen und ein Plus!

Einige Fotos

Mehr Fotos haben in meinen Bericht nicht mehr rein gepasst, daher kommen hier noch drei kleine Aufnahmen von der Schokoladenherstellung :)

Das erste Mal auf dem Wackelbrett
Oben seht ihr, wie auf demselben Gerät, aus dem die Schokolade fließt, auch die Wackelplatte angebracht ist. Nicht mit aufgenommen ist der Lärm, den Plastik und Metall beim Aufeinanderklappern machen :) Durch das Schütteln werden eventuelle Luftbläschen hinaus gewackelt.

Verfeinern...
Hier seht ihr den zweiten Schritt, das Verfeinern. In diesem Fall mit Schokoladennibs, ich hatte ja für meine Tafel Kirschen gewählt.

Ein zweites Mal wackeln.
Jetzt wird noch einmal gewackelt, damit die Zutaten auch schön rein gearbeitet werden. Danach muss die Tafel nur noch in den Kühlschrank.

Die fertige Tafel.

Sonntag, 15. März 2015

Selbstgemachte Schokolade von Belyzium



Das Symbol von Belyzium: der Querschnitt einer Kakaobohne
Gestern hatte ich die große Freude, bei Belyzium, einer vergleichsweise sehr jungen Schokoladenmanufaktur, am Schokoladenseminar teilzunehmen. Ein wenig abseits der Hauptgeschäftsgebiete Prenzelbergs liegt der Laden in einem Eckgebäude, dessen Front schön regenwaldig bemalt ist. Innen steht eine kleine Kakaopflanze, einige Tische und Stühle, Probierschälchen und nur und ausschließlich selbst produzierte Schokoladen. An der Wand hängt ein Bildschirm, der anschaulich die Geschichte des Kakaos und der Plantagen von Belyzium darstellt.
Alles, was das Schokoladenherz begehrt
Der Laden existiert erst seit September 2014 in Berlin, der Gründer ist gebürtiger Russe, lebt seit zwanzig Jahren in Kalifornien und hat beschlossen, sein Geschäft am besten in Berlin zu eröffnen. Dabei ist das Geschäftsmodell bean-to-bar, das heißt, die Plantagen, von denen der Kakao kommt, sind bekannt, liegen in Belize, einem kleinen Land in Mittelamerika, und werden genau ausgewählt, Chemikalien kommen nicht zum Einsatz. Dort, vor Ort, werden die Bohnen fermentiert und getrocknet, ehe sie in Berlin ankommen, wo sie geröstet und weiter verarbeitet werden. Belize war schon früh eine Hochburg des Kakaos, da die Mayas, von deren Nachkommen bis heute 30.000 noch im Land leben, den Kakao äußerst hoch geschätzt haben (sie hatten sogar eine dazu gehörige Göttin, Ixcacao).


Nun zum Seminar! Zuerst wurden wir alle mit einem Tee aus Kakaoschalen begrüßt. Ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber wirklich lecker :)
Als kleine Besonderheit war Andrew, der eben genannte Gründer, gerade in Berlin und führte uns daher persönlich herum. Wir erfuhren eine ganze Menge über die Geschichte des Cacaos und der Schokolade, durften uns die Manufaktur hinter gläsernen Türen genau ansehen, haben alle Arbeitsschritte erklärt bekommen und durften am Ende unsere eigene Tafel Schokolade in Händen halten. Belyzium hat sich auf dunkle Schokolade spezialisiert, der geringste Kakaogehalt ist 78%, der höchste sogar 100%. 
Links: ohne Haube geht nichts! Rechts: Das Kakaopflänzchen
Die Maschinen in der Manufaktur haben eine ganz eigene Geschichte; da nämlich die Maschinen zur Schokoladenherstellung meistens industrielle, riesige Größen haben, musste Belyzium erfinderisch sein: Zum Schälen der Bohnen wurde ein Gerät extra "gebastelt", an dessen Ende sogar ein ganz herkömmlicher Staubsauger steht, der die Schale von der Bohne trennt. Danach kommen die Bohnen-Bruchstücke in eine Erdnussbuttermaschine, die zuerst manuell mit dem Föhn erwärmt wird, damit der Kakaobrei durchfließen kann. Er hat jetzt eine sehr lustige Konsistenz, schmeckt aber auch noch sehr intensiv.
Daneben kommen Bohnen auch in die Ölpresse, wo Kakaobutter und der entölte Rest getrennt werden. Kakaobutter wird benötigt, um höher prozentige Schokolade cremig zu erhalten. Allerdings ist die Ölpresse nicht ergiebig genug, weswegen Belyzium auch Kakaobutter ankauft; das sei allerdings unproblematisch, weil das Aroma davon nicht beeinflusst würde.
Die Erdnussbuttermaschine
Als letzter Schritt kommt die Masse in ein ursprünglich indisches Gerät zum Curry-Walzen, wo durch Granitwalzen die Konsistenz in eine ebenmäßige Form gebracht wird. Hier werden auch Zucker und zusätzliche Kakaobutter hinzugefügt. Der Prozess dauert mehrere Stunden und das Ergebnis schmeckt schon richtig gut; als Brotaufstrich würd ich das sofort nehmen. :) Nun muss die Masse nur noch in den Erhitzer, die einzige Maschine, die wirklich zur Schokoladenherstellung gedacht ist. Dort wird sie auf ungefähr 50° erhitzt und auf 31,7° abgekühlt. Das Gerät hat eine Art Hahn, von dem man die Schokolade auf die Tafeln abfüllt.
Erhitzen, abkühlen, erhitzen...
Nun wird es ganz spannend; die Kakaobutter bilde, erklärte uns Andrew, je nach Höhe der Erhitzung beim Abkühlen unterschiedliche Kristalle, die dann die Schmelztemperatur beeinflussen. Eine normale Schokolade schmilzt bei etwas über 30°, Belyzium hat sich allerdings ausgedacht, andere Kristalle (Typ 5) entstehen zu lassen, um eine andere Art von Schokolade zu erschaffen (die "tabu"); diese schmilzt bei Zimmertemperatur, schmeckt fast ein wenig wie Eisschokolade und bildet ein wirklich auffällig anderes Esserlebnis. Sie muss deswegen auch im Kühlschrank gelagert werden.
Anschließend durften wir, wie bereits eingangs erwähnt, eigene Schokoladentafeln herstellen, wenn wir wollten, verfeinern (bei mir sind Kirschen drin) und kühlen lassen. Dazu füllt man die Schokolade in die Tafelform und stellt diese auf ein Wackelbrett, um unnötigen Lufteinschlüsse zu vermeiden. Dann fügt man hinzu, was man drin haben will, und lässt die Form noch einmal wackeln. Fertig ist das Meisterwerk.


Was für ein Gefühl, wenn man das liest :)


Hättet ihr´s erraten?
Wieder vor der gläsernen Manufaktur-Tür, durften wir drei Schokoladen einem Geschmackstest unterziehen, darunter eine konventionelle (Lindt), eine klassische von Belyzium und eine "tabu". Der Unterschied ist unglaublich. Gründe für den recht einfachen Geschmack konventioneller Schokoladen sind: andere Bohnen (nämlich Konsumkakao statt Criollo und Trinitario, siehe auch "Die Kakaobohne"), lange Lagerung, Verarbeitung in großen "Massenmaschinen". Dadurch schmecken diese Schokoladen gar nicht wirklich nach dem Eigengeschmack von Kakao, sondern brauchen zum Beispiel Vanillearoma und ähnliches.

Ich werde auf jeden Fall die "tabu" noch einmal für Euch testen, weil sie eine echte Besonderheit und mir so noch nicht untergekommen ist.
Wenn ihr mal in der Gegend seid, macht den kleinen Schlenker von der Kastanienallee in Prenzelberg hin zu Belyzium in der Lottumstraße :) Es gibt einen kleinen Cafébereich, man darf viel probieren und die Schokoladen überzeugen durch Geschmack und ein sehr unterstützenswertes Konzept!